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05.03.2014

Wasserkraft-Restpotenziale

Land will Aktionsplan „Top-10-plus“ in Südwestfalen Gehört zum Bereich Energie, Bergbau

Prof. Dr. André Niemann (Universität Duisburg/Essen) hat heute beim „11. Arnsberger Energiedialog“ die Studienergebnisse zum technisch-theoretischen Restpotenzial der Wasserkraft im Regierungsbezirk Arnsberg vorgestellt. NRW-Umweltminister Johannes Remmel und Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann kündigten dort an, jetzt zunächst die „Top-10-Standorte“ mit hohem Ausbau- und wenig Konfliktpotenzial identifizieren zu lassen.

Minister Remmel sagte: „Die Potenzialstudie gibt gute Hinweise zum Ausbau der Wasserkraft im Regierungsbezirk Arnsberg und ist damit ein wichtiger Planungsbaustein für die Umsetzung der Energiewende ‚made in NRW’. Sie soll in der Struktur auf ganz NRW übertragen werden, insofern ist sie eine wichtige Grundlage. Wasserkraft soll entsprechend der Potenziale ihre Leistungen im Erneuerbaren-Mix für NRW zusammen mit den starken Potenzialen Wind und Sonne erbringen. Eine aufbauende Studie zur Ermittlung des landesweiten Potenzials in Sachen Wasserkraft wird nach entsprechenden Vorläufern im Bereich Wind und Sonne derzeit erarbeitet und soll helfen, weitere Potenziale zu heben.  Wir wollen vorhandene Standorte erhalten und sie energetisch und ökologisch optimieren. Neue Wasserkraftanlagen sollen dort errichtet werden, wo sie mit den Zielen der EU-Wasserrahmenrichtlinie vereinbar sind. Wir haben uns außerdem vorgenommen, die entsprechenden wasserwirtschaftlichen Fragestellungen systematisch abzuarbeiten.“

Regierungspräsident Dr. Bollermann: „Es ist nun an uns, schnell und effektiv zu handeln. Da zu erwarten ist, dass sich die in der Studie genannten Potenziale noch reduzieren werden, sollten die wenigen konfliktarmen Standorte schnellstmöglich identifiziert, gesichert und möglichst zeitnah realisiert werden. Zunächst geht es um den Aktionsplan Top-10-plus. In weiteren Schritten wollen wir rund 140 von etwa 3500 bestehenden Querbauwerken einer näheren Betrachtung unterziehen.“

Hierzu bedürfe es eines konstruktiven Zusammenwirkens aller Beteiligten, einer intensiven und konstruktiven genehmigungsrechtlichen Beratung potenzieller Wasserkraftbetreiber durch die Behörden, eines verbesserten Förderregimes des Landes und verstärkter Forschungsanstrengungen im Interesse der Vereinbarkeit von Wasserkraft und Wasserrahmenrichtlinie.

Voll besetzter Sitzungssaal beim 11. Arnsberger EnergiedialogBollermann und Remmel waren sich einig: „In einem ersten Schritt sollen an zehn Top-Standorten zügig Investitions- und Genehmigungsentscheidungen vorbereitet und getroffen werden.“

In einer Podiumsdiskussion vor rund 150 Gästen bezogen zudem „Mitgastgeber“ Michael Pendzich (als Vorsitzender der Kommission Regionale Energieplanung des Regionalrates Arnsberg) sowie Klaus Brunsmeier (stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland), Rainer Bosse (Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Wassernutzung NRW) und Dr. Rainer Hagemeyer (Vorsitzender des Landesfischereiverbandes Westfalen-Lippe) Stellung. Es moderierte Beate Schmies, Leiterin des WDR-Landesstudios Siegen.

Michael Pendzich hatte bereits in der Begrüßung betont, dass rund 60 Prozent der Wasserkraft in NRW im Regierungsbezirk Arnsberg erzeugt werden. Insofern sei der Regierungsbezirk diesbezüglich „ein Schwergewicht“.  Der weitere Ausbau der Wasserkraft sei nunmehr „eine Frage des politischen Willens und der gesellschaftlichen Akzeptanz“. 

Steigerung um 30 Prozent theoretisch möglich

Mit Veröffentlichung der Niemann-Studie vollzieht sich die Diskussion über die Wasserkraftpotenziale und etwaige Zielkonflikte im Kontext der europäischen Wasserrahmenrichtlinie jetzt auf Basis konkreter Zahlen und Fakten. Und das sind die wichtigsten Ergebnisse der Potenzialstudie:

  • Die derzeitige Wasserkrafterzeugung im Regierungsbezirk Arnsberg liege bei rund 313 Gigawattstunden (GWh). Aktuell seien 102 Megawatt (MW) Leistung an 213 Standorten installiert.
      
  • Rund 3.500 bestehende Querbauwerke seien in der Untersuchung bewertet und kategorisiert worden. Das technisch-theoretische Gesamtpotenzial (d.h. die vorhandenen Wasserkraftanlagen plus Repowering plus technisch-theoretisches Zubaupotenzial) betrage insgesamt 133 MW Leistung. Gegenüber der vorhandenen Leistung sei somit ein Plus von 31 MW technisch-theoretisch möglich (30 Prozent). Die bisher 313 GWh Jahresarbeit könnten theoretisch auf 426 GWh Jahresarbeit erhöht werden (plus 36 Prozent) – an rund 2.355 Standorten. Derzeit seien von dem technisch-theoretischen Potenzial der Jahresarbeit 73 Prozent erschlossen.
      
  • In der Studie wird davon ausgegangen, dass von dem ermittelten technisch-theoretischen Zubaupotenzial von 31 MW etwa die Hälfte auch tatsächlich umsetzbar sei (rund 15 MW). Differenziert wird dies hier in rund 8 MW Steigerungspotenzial bei den vorhandenen Wasserkraftanlagen (Repowering) und 7 MW Zubaupotenzial an Standorten mit vorhandenen Querbauwerken.

Prof. Dr. Niemann wiederholte beim „Arnsberger Energiedialog“ seine bereits in der Studie formulierte Empfehlung, an zunächst 30 bis 50 Standorten im Regierungsbezirk Arnsberg die Möglichkeiten zum gewässerverträglichen Ausbau der Wasserkrafterzeugung zu konkretisieren – und darüber hinaus die Optionen aus einem stärker energieorientierten Talsperrenbetrieb zu ermitteln.

Fundierter standortbezogener Ansatz durch neue Studie

Rückblick: Bereits 2011 war eine Machbarkeitsstudie von Siemens/Eutech zu den Potenzialen aller erneuerbaren Energieträger im Regierungsbezirk Arnsberg veröffentlicht worden. Sie hatte in einer ersten Abschätzung aufgezeigt, dass die Potenziale der Wasserkraft noch nicht ausgeschöpft sind. Das Ziel der neuen, jetzt vorliegenden „Niemann-Studie“ war deshalb, einen fundierten standortbezogenen Ansatz für die Erschließung der Potenziale der Wasserkraft im Regierungsbezirk zu erlangen.

2012 hatte die Bezirksregierung Arnsberg – in Abstimmung mit dem Umweltministerium NRW und Vertretern des Regionalrats – den Auftrag an Prof. Dr. Niemann von der Universität Duisburg-Essen vergeben. Die Potenzialstudie wurde dann in Kooperation mit Ingenieurbüros erstellt – begleitet von einem fachlichen Arbeitskreis, an dem neben dem Umweltministerium auch Interessensgruppen beteiligt waren (u. a. Wasserkraftbetreiber sowie Vertreter aus Fischerei und Naturschutz).

 

Bildhinweis:

Bild 1:
von links: Johannes Remmel (Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW), Michael Pendzich (Vorsitzender der Kommission Regionale Energieplanung des Regionalsrats Arnsberg), Prof. Dr. Andrè Niemann (Universität Duisburg/Essen), Beate Schmies (Leiterin WDR-Landesstudio Siegen), Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, Klaus Brunsmeier (stellv. Bundesvorsitzender des BUND), Dr. Rainer Hagemeyer (Vorsitzender Landesfischereiverband Westfalen-Lippe) und Rainer Bosse (Vorstandsmitglied Interessensgemeinschaft Wassernutzung NRW)

Bild 2:
Voll besetzter Sitzungssaal beim 11. Arnsberger Energiedialog



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