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invet - Informal Vocational Education of Travellers

Vorgängerprojekte

Das Projekt nutzt im wesentlichen die Ergebnisse und Erkenntnisse dreier Vorgängerprojekte:

BeKoSch

Das Projekt "BeKoSch - Entwicklung beruflicher Kompetenzen für beruflich Reisende durch blockweisen Unterricht" (EU-Programm Leonardo da Vinci/1999-2000) ermöglicht Jugendlichen aus Schaustellerfamilien den Besuch der Berufsschule in den reisefreien Wintermonaten. Bis dahin bestand in keinem europäischen Mitgliedsstaat ein beruflicher Bildungsgang, der auf die spezifischen Erfordernisse von Schaustellern ausgerichtet war. Kernstück des o. g. Projektes war die Entwicklung eines Systems für den Erwerb beruflicher Kompetenzen unter Berücksichtigung der Mobilität. Schaustellerverbände und zuständige staatliche Institutionen wurden hierbei im gesamten Projektverlauf einbezogen.

Das im BeKoSch -Projekt entwickelte modulare System hat sich als für die Durchführung von beruflichen Bildungsmöglichkeiten als besonders geeignet erwiesen, denn eine Modularisierung vermittelt anwendungsorientierte Teilqualifikationen und -zertifikate, die ggf. zu einer Vollqualifikation komplettiert werden können. Hierzu wurden unter Federführung der beteiligten Schaustellerverbände spezifische Bildungsinhalte ermittelt und zu Modulen zusammengeführt und erste abgestimmte Modalitäten zur Zertifizierung der erworbenen beruflichen Kompetenzen unter Berücksichtigung nationaler Bildungssysteme festgelegt.

Daraus hat sich allein an den Berufskollegs der Stadt Herne, um nur Deutschland herauszugreifen, jeweils im Januar/Februar jeden Jahres ein Angebot von z. Zt. neun jeweils zweiwöchigen Lehrgängen im kaufmännischen wie auch im gewerblich-technischen Bereich entwickelt (siehe Anmeldeflyer!!!LINK). Weitere Lehrgänge sind in Vorbereitung. Durchführung und Weiterentwicklung finden in enger Abstimmung als Schulversuch mit den deutschen Schaustellerverbänden, der regionalen Schulaufsicht in Arnsberg und dem Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW statt. Darüberhinaus wurde das Bildungsangebot in Herne durch die Kultusministerkonferenz als Anrechnung auf die Berufsschulpflicht in allen deutschen Bundesländern anerkannt.

Um einen angemessenen Unterrichtsumfang der beruflichen Ausbildung reisender Jugendlicher zu erreichen, fehlte jedoch ein ausgebautes Fernlernangebot, das von den Schülern während der Reisezeit mit Unterstützung von Tutoren bearbeitet werden sollte. Hier setzte "eLvet" an

eLvet

Auf BeKoSch aufbauend hat das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Herne in den Jahren 2006-2008 das EU-Minerva-Projekt "eLvet- eLearning for vocational education of travellers" koordiniert. eLvet hatte zum Ziel, die bereits nachhaltig gefestigten Bekosch-Lehrgänge in den Wintermonaten durch eine zielgruppengerechte eLearning-Komponente während der Reisezeit in den Sommermonaten zu ergänzen. Während des zweijährigen Projektes wurden umfangreiche pädagogische und schulorganisatorische Maßnahmen entwickelt und erprobt. Sie sollten zeigen, unter welchen Bedingungen Jugendliche mit unterbrochenen Schullaufbahnen trotz lückenhafter Lernzeiten mehr Lernzeit gewinnen und während der Reisemonate die Lernmotivation behalten können. Ein Schwerpunkt der Projektaktivitäten war die Entwicklung geeigneter eLearning-Materialien. Es stehen derzeit zwei eLearning-Module "Marketing" und "Existenzgründung" zur Verfügung, die den Unterricht während der Reisezeit von zwei Jahren abdecken. Bereits während des Blockunterrichtes im Winter werden die Jugendlichen in das eLearning Unterrichtsprogramm eingewiesen und mit den technischen Erfordernissen vertraut gemacht. Auf der Reise erarbeiten sie die laufenden Arbeitsaufgaben über die in Herne eingerichtete Plattform (auf der Basis einer "moodle-Lernplattform") mit ihrem Notebook. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, mit ihrem Tutor Verbindung aufzunehmen, wenn sie Fragen haben oder Hilfe benötigen.

Hierdurch steht nunmehr u. a. an den Berufskollegs der Stadt Herne ein ganzjähriges nachhaltiges berufliches Bildungsangebot für reisende Jugendliche nach dem "Blended-Learning-Konzept" zur Verfügung. Mit diesem Angebot kann erstmalig in Deutschland die Berufsschulpflicht für reisende Jugendliche zielgruppenbezogen erfüllt werden.

ett-edu

Unser Projekt zielte auf den Transfer und die Optimierung bestehender Ausbildungsmodule für jugendliche Schausteller.

Transfer bestehender Ausbildungsmodule nach Frankreich und UK

Zentrales Anliegen des Projektes war der Transfer der bestehenden Lern- und Ausbildungsmodule.

In ganz Europa fehlt es an zielgruppengerechter beruflicher Ausbildung für reisende Jugendliche. Hierzu beigetragen hat sicherlich der Umstand, dass Ausbildungssysteme eher für sesshafte Personen konzipiert sind und nicht für Personen, deren Arbeitsumfeld viele Reisen bedingen. Auch wurden in der Vergangenheit die beruflich Reisenden nicht als klar abgegrenzte Gruppe mit spezifischen Bedürfnissen angesehen, die zwar gesetzliche Pflichten beachtende, aber flexible Ausbildungsstrategien benötigen, deren Schwerpunkt mehr auf der Sicherung von Ausbildungsergebnissen liegen anstatt auf kontinuierlichem Schulbesuch.

Deutschland verfügt traditionell über ein ausgeprägtes duales berufliches Ausbildungssystem. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland dem Thema beruflicher Bildung für reisende Jugendliche schon seit längerem Beachtung geschenkt wird und sich hier Initiativen entwickelt haben, die u.a. das Ausbildungskonzept für Schausteller "Bekosch" am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Herne sowie das eLearning-Angebot eLvet fördern. Dieses Konzept wird in Deutschland inzwischen an zwei weiteren Standorten in Nidda/Hessen und Neumünster/Schleswig-Holstein umgesetzt. Dieses bewährte, in sich geschlossene und von den Jugendlichen akzeptierte und nachgefragte Blended-Learning-Konzept mit bereits vorliegenden Modulen für den Präsenz- und dem Fernlernunterricht bietet sich auch auch als Einstieg für europaweite Lösungen an, so dass es im Rahmen von ETTE durch die beteiligten Bildungseinrichtungen in den Partnerländern eingeführt werden soll. Die beteiligten europäischen Schaustellerverbände (ESU) und Interessenvereinigungen (ENTE) sollen europaweit für weitere Akzeptanz in der interessierten Öffentlichkeit werben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die bisher vorliegenden kaufmännischen Module der Präsenzkurse strukturiert nach dem EQR aufzuarbeiten, um die Vergleichbarkeit sowie die Zusammenarbeit zwischen den Ländern und Einrichtungen zu ermöglichen. Eine solche Anpassung und Verbesserung der Strukturierung von notwendigen Kompetenzen entspricht auch dem Wunsch der Schaustellerverbände, die hierdurch weitere Ausbildungsmöglichkeiten und neue Lernwege für den Berufsnachwuchs erschließen wollen.

Verbesserung der bestehenden Ausbildungsmodule auf der Basis des EQR

Bei Gesprächen mit der Academie Amiens (der staatlichen Schulaufsicht des Partners Lycee Professionnel Peltier) konnten wir neben dem Interesse für dieses Konzept auch ein generelles Interesse an dem deutschen dualen Ausbildungssystem erkennen. Ähnlich ist die Interessenlage beim Partner Royal Forest of Dean College. Aktuell bieten beide Bildungseinrichtungen bereits vollzeitliche Ausbildungsgänge mit Betriebspraktika an. Beide Länder haben ebenfalls eine lange Schausteller- und Volksfesttradition und sehen daher den Bedarf für eine verstärkte berufliche Ausbildung des Betriebsnachwuchses. Die gemeinsame Anpassung und Verbesserung der bestehenden Lerneinheiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln wird bei den deutschen Ansätzen zu Weiterentwicklungen führen, so dass sich die Chance bietet, die hohen deutschen Qualitätsstandards in der Ausbildung in ein europäisches Ausbildungskonzept zu integrieren.

ETTE strebt darüber hinaus die Verzahnung zwischen der Anpassung und Verbesserung bestehender Ausbildungsmodule und eventuell noch zu erarbeitenden Ausbildungsinhalten zum Berufsbild "Schausteller" auf der Basis des Europäischen Qualifizierungsrahmen (EQR) an. Hierbei soll unter Einbezug von Schaustellern und deren Verbandsvertretern die Gesamtheit der Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, die zur Ausübung des Schaustellerberufes nötig sind, zusammengestellt und praxisgerecht in Lerneinheiten eingeteilt werden. Anschließend werden die Lerneinheiten nach vorher festgelegten Kriterien bewertet und entsprechend Punkte bzw. Prozentzahlen vergeben. Um zu einer gemeinsamen Zertifizierung der erbrachten Leistungen zu gelangen, sollen zudem vergleichbare Prüfungs- und Bewertungskriterien für die Lerneinheiten festgelegt werden. Die Lerneinheiten sollen als in sich geschlossene Module konzipiert und können unabhängig voneinander belegt und bewertet werden.

Ein solcher Qualifikationsrahmen ermöglicht nicht nur die Abbildung und Entwicklung eines Ausbildungsrahmenplanes nach dem deutschen Berufsbildungsgesetz für einen Ausbildungsberuf "Schausteller" nach dem dualen Berufsbildungssystem, sondern wird entsprechend den individuellen Berufsbildungssystemen in den anderen europäischen Ländern zudem Abschlüsse für andere, kleinere und überschaubare Einheiten von Lernergebnissen und schulischen Ausbildungsgängen den Weg ebnen. So bietet der Partner Lycee Professionnel J.C.Peltier aus Ham/Frankreich dreijährige schulische Ausbildungsgänge an, die in einem ergänzenden System aus schulischem Unterricht und betrieblichen Praktika zu einem beruflichen Abschluss als "Kaufmännischer Assistent" führen. Auf diesem organisatorischen Gerüst wäre z. B. auch der Abschluss als "Kaufmännischer Assistent Schausteller" darstellbar.



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