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07.04.2011

Erneuerbare Energien:

Regionalrat fordert Aktionsprogramm Gehört zum Bereich Kommunalaufsicht, Planung, Verkehr

Möglich, aber nur mit vereinten und verstärkten Kräften: Um im Regierungsbezirk Arnsberg die Vorgaben von Bund und Land zum Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2020 annähernd erfüllen zu können, sind erhebliche zusätzliche Anstrengungen aller Beteiligten erforderlich. Das ist das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zu den Potenzialen erneuerbarer Energien, die auf der Sitzung des Regionalrats am Donnerstag, 7. April, vorgestellt wurde.

Einstimmig forderte der Regionalrat die Bezirksregierung auf, umgehend ein Aktionsprogramm mit konkreten, schnell und einfach umzusetzenden Maßnahmen zu entwickeln. Die Bezirksregierung wird gebeten darauf hinzuwirken, dass dieses Programm wegen seiner besonderen Bedeutung als Modellprojekt für Nordrhein-Westfalen noch Eingang in die „Regionale 2013“ findet. An die Landesregierung erging die Forderung, die Umsetzung des Aktionsprogramms finanziell zu unterstützen.

Theoretisch wäre es zwar technisch möglich, den Strombedarf des Regierungsbezirks vollständig mit Wind-, Bio- und Solarenergie, Geothermie, Wasserkraft und Grubengas zu decken, doch stehen dem zum Beispiel Konflikte mit anderen Flächennutzungen entgegen. Die Gutachter sehen es aber als realistisch an, den Anteil der regenerativen Energien an der Stromerzeugung von aktuell 7,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: rund 16 Prozent) bis 2020 auf

30 Prozent zu steigern – 25 Prozent sind das Ziel der Landes-, 35 Prozent das der Bundesregierung. Ob sich der Beitrag regenerativer Energien zur Deckung des Wärmebedarfs nennenswert steigern lässt, hängt davon ab, ob der Wärmebedarf selbst deutlich gesenkt werden kann (zum Beispiel durch eine bessere Dämmung von Gebäuden).

Beim Ausbau der regenerativen Energien setzen die Experten in erster Linie auf Windenergie und Photovoltaik. Entwicklungsmöglichkeiten sehen sie aber auch beim Einsatz von fester Biomasse (wie etwa Holz), Wasserkraft, Grubengas, Biogas, Biogaskraftstoffen und Geothermie.

Insgesamt ließen sich 2020 im Regierungsbezirk rund 11.000 Gigawattstunden durch regenerative Energieträger erzeugen, davon 34 Prozent durch Wind-, 29 Prozent durch Bio- und 24 Prozent durch Solarenergie. Auf Geothermie entfielen 6 Prozent, auf Wasserkraft 4 Prozent und auf Grubengas 3 Prozent.

Würden die Ausbaumöglichkeiten genutzt, könnte der Ausstoß von Kohlendioxid bei der Stromerzeugung um 27 Prozent gesenkt werden werden. Die Gutachter gehen außerdem davon aus, dass durch den Ausbau der erneuerbaren Energien 1500 zusätzliche Arbeitsplätze in der Region geschaffen würden. Den finanziellen Nutzen für die Kommunen im Bezirk schätzen sie auf rund 4,5 Milliarden Euro über einen Zeitraum von 20 Jahren, wovon 2,4 Milliarden Euro auf Unternehmensgewinne, 1,5 Milliarden auf Einkommen und 600 Millionen Euro auf Steuereinnahmen entfielen. Außerdem könnten 2020 durch den Einsatz regenerativer Energien 300 Millionen Euro (gegenüber aktuell 144 Millionen Euro) für fossile Energieträger gespart werden.

Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann betonte in seinem Grußwort insbesondere den Nutzen für die Kommunen: „Die erneuerbaren Energien bieten das regionale Wirtschaftsförderungsprogramm für diese Region. Jedes Jahr, das man verzögert, ist ein Verlustjahr für die Kommunen. Wir brauchen eine stärkere Diskussion über erneuerbare Energien vor Ort.“

„Die Akzeptanzfrage“, so Regionalratsvorsitzender Hermann-Josef Droege, „stellt sich nach Fukushima neu. Die Möglichkeiten, die sich bieten, lassen keine Euphorie aufkommen, sondern fordern Entschiedenheit.“ Südwestfalen könne bei der Erzeugung regenerativer Energien zur Modellregion für das Land Nordrhein-Westfalen werden.

Die Lang- und die Kurzfassung der Machbarkeitsstudie sowie die Entschließung des Regionalrats können in der rechten Spalte unter Downloads heruntergeladen werden. In Kürze wird hier auch die Aufzeichnung der Veranstaltung bereitgestellt.

Hintergrund:

Der Regierungsbezirk Arnsberg ist der erste in Nordrhein-Westfalen, in dem eine regionale Machbarkeitsstudie zu den Potenzialen erneuerbarer Energien erstellt wurde. Sie war 2009 vom Regionalrat initiiert und Mitte 2010 von der Bezirksregierung in Auftrag gegeben worden.

Foto: Dr. Jörg Meyer, Firma Siemens AG, bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie



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