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12.04.2011

Erdgasprobebohrungen 1995

Alle vorhandenen Informationen offengelegt Gehört zum Bereich Energie, Bergbau

Bereits bei den Erdgasprobebohrungen 1995 hat die Bergbehörde darauf geachtet, dass das Grundwasser nicht gefährdet wurde. Das belegen die Unterlagen zu den damaligen Vorgängen, die die Bezirksregierung Arnsberg jetzt zusammengetragen und gesichtet hat.

 Die Nachforschungen waren aufwendig und schwierig. Erstens, weil die Bergbehörden seit 1995 mehrfach umstrukturiert worden waren und daher die Zuständigkeiten gewechselt haben. Und zweitens, weil Akten teilweise nicht mehr vorhanden sind, da ihre Aufbewahrungsfrist zwischenzeitlich abgelaufen ist.

„Die vorhandenen Dokumente haben wir sorgfältig ausgewertet. Wir behandeln das sensible Thema der Erkundung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten mit der größtmöglichen Offenheit“, so Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann.

Nur in „Natarp 1“ wurde gefrackt
Ein Konsortium aus der Conoco Mineralöl GmbH, der Ruhrgas AG und der Ruhrkohle AG hatte Mitte der 90er Jahre für eines seiner zwei Aufsuchungsfelder, „Sigillaria“, fünf Bohrungen geplant. Ursprünglich hatte in allen Bohrungen gefrackt und eine Probeförderung durchgeführt werden sollen.

Das Bergamt Kamen hatte den für die Ausführung dieser Arbeiten notwendigen Hauptbetriebsplan „Warendorf“ im Februar 1995 zugelassen. An der Zulassung hatte es 25 Stellen beteiligt, darunter unter anderem die Bezirksregierung Münster, das Staatliche Umweltamt Münster, den Kreis Warendorf, die örtlich betroffenen Kommunen, das Landesbüro der Naturschutzverbände, den Lippeverband sowie die Gelsenwasser AG.

Tatsächlich verwirklicht wurden nur zwei Bohrungen: „Rieth 1“ in Drensteinfurt (Bohrtiefe: 1736 Meter) und „Natarp 1“ in Warendorf-Hoetmar (Bohrtiefe: 1969 Meter). Beide Bohrungen wurden 1995 niedergebracht. Fracs wurden aber nur in „Natarp 1“ ausgeführt: einer am 8. Oktober 1995 in einem Bereich zwischen 1840 und 1947 Meter Bohrlochtiefe und einer am 16. Oktober 1995 zwischen 1800 und 1896 Meter. Dabei wurden, so der Abschlussbericht des Konsortiums, insgesamt 121.200 Liter Frac-Flüssigkeit, 41,7 Tonnen Sand und 65.400 Kubikmeter Stickstoff mit einem Druck von 210 Bar ins kohleflözführende Karbongestein gepresst. Mengenangaben zu den einzelnen Substanzen sind im Abschlussbericht nicht enthalten.

Ordnungsgemäße Entsorgung
In Nebenbestimmungen der Betriebsplanzulassungen hatte das Bergamt Kamen zur Auflage gemacht, dass im Bereich des Bohrplatzes weder Frac-, noch Formations-, noch Spülwasser in Oberflächengewässer oder das Grundwasser gelangen durften. Die Flüssigkeiten mussten gesammelt, beprobt und anschließend ordnungsgemäß entsorgt werden.

Alle Zusätze, die für die Bohrspülung, die Zementierung und das Fracking eingesetzt wurden, waren damals als nicht oder nur schwach wassergefährdend eingestuft. Eines der Produkte, die beim Fracken in „Natarp 1“ benutzt wurde, wird heute jedoch als wassergefährdend (Wassergefährdungsklasse 2) eingestuft: SSO 21 M. Ein weiteres Gemisch, GBW-3/30, enthält zwei Bestandteile, von denen einer heute als wassergefährdend, der andere als nicht wassergefährdend gilt.

Die ersten 322.000 Liter des bei der Bohrung „Natarp 1“ geförderten Gemisches aus Frac-Flüssigkeit und Formationswasser wurden in der Kläranlage Hamm entsorgt. Die über weitere acht Monate geförderten rund 1,107 Millionen Liter Formationswasser wurden nach Auswertung der Beprobungsergebnisse über das Grubenwasserrückhaltebecken des Bergwerks „Westfalen 1“ in Ahlen in die Mattenbecke geleitet.

Bohrschlämme und Bohrklein wurden beprobt und schließlich zum Teil (circa 102 Kubikmeter aus „Rieth 1“) der Firma M-I Tanklager in Bremen zur Verwertung übergeben und zum Teil (rund 1177 Tonnen aus beiden Bohrungen) zunächst entwässert und dann auf der Bergehalde „Westfalen Ost“ eingebaut. Die Gasausbeute der Probeförderung war aus Sicht des Bergbaukonsortiums unbefriedigend. Beide Bohrungen wurden wieder verfüllt. Dabei verwendete das Unternehmen für die Bohrung „Rieth 1“ zunächst auch nicht genehmigtes Material, was bei den regelmäßigen bergbehördlichen Überwachungen auffiel. Auf Verlangen des Bergamts Kamen wurde diese Füllung jedoch wieder entfernt und das Bohrloch vollständig mit Zement verfüllt. Beide Bohrplätze wurden rekultiviert. Erkenntnisse über Umweltbelastungen durch die Bohrungen, das Fracken oder die Entsorgung liegen nicht vor.


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