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04.11.2011

„Soester Erklärung“

Mehr Schulbildung für die Kinder beruflich Reisender Gehört zum Bereich Bildung, Schule

Die „Soester Erklärung“ macht deutlich: Die Bemühungen zur Verbesserung der Schulbildung von Kindern beruflich Reisender sollen fortgeführt und intensiviert werden.

Ihre Bereitschaft dazu bekräftigten mit ihrer Unterschrift heute (4.11.) Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, Albert Ritter vom Deutschen Schaustellerbund (DSB), Hans-Peter Arens vom Bundesverband Deutscher Marktkaufleute und Schausteller (BMS) sowie Helga Sinner für den Verband zur Förderung der schulischen Bildung und Erziehung von Kindern der Angehörigen reisender Berufsgruppen in Deutschland (BERiD). 

Im Beisein des Soester Bürgermeisters Dr. Eckhard Ruthemeyer und Vertretern des Schulministeriums NRW wurde die Erklärung Freitagmittag im Kirmesrestaurant „Schwarzwaldchristel“ auf der Soester Allerheiligenkirmes unterzeichnet. Die Schaustellerverbände verpflichten sich darin, weiterhin Initiativen und Projekte für die Bildungsmöglichkeiten reisender Kinder aktiv zu begleiten.

Die Bezirksregierung sagt zu, entsprechende Bildungsangebote weiterhin zu fördern und bildungspolitische Initiativen auf EU-, Bundes- und Landesebene durch eigene Beiträge zu ergänzen.

Konkret geht es zum Beispiel um die digitale Dokumentation von Schülerlaufbahnen (das Bereichslehrerinformationssystem BLISYS), Fern- bzw. E-Learning sowie das BeKoSch-Berufsbildungskonzept. 

„Es gibt seit Jahren intensive Bemühungen, den Kindern beruflich Reisender eine möglichst  adäquate Schulbildung zu ermöglichen. Mit der Soester Erklärung machen wir noch einmal klar: Dieser Weg muss fortgesetzt werden. Wir brauchen ein verlässliches Angebot für die Kinder und Jugendlichen aus Schausteller- und Zirkusfamilien“, betont Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann. 

Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB), sagt: „Wir dürfen Schaustellerkinder nicht alleine lassen auf dem Weg zur Bildung.“ Wichtig bleibe auch in Zukunft „ein koordiniertes Handeln über Ländergrenzen hinweg“, so Ritters Appell an die Politik. Er fordert zum Beispiel mehr finanzielle Mittel für eine bessere Ausstattung von Bereichslehrkräften, die reisende Kinder und Jugendliche an ihren jeweiligen Aufenthaltsorten unterstützen.   

Verschiedene Bildungsprojekte seit den späten 1980er-Jahren 

In den letzten gut zwei Jahrzehnten wurden in Deutschland bereits diverse Bildungsinitiativen erfolgreich umgesetzt: 

  • 1990 hat das Land Nordrhein-Westfalen das Pilotprojekt „Stützpunktschulen für reisende Kinder in NRW“ gestartet. NRW initiierte auch die jährliche Länderkonferenz für Bildungsfragen der Kinder beruflich Reisender.
  • Die Länderkonferenz erarbeitete ein einheitliches Schultagebuch, das seit 2003 bundesweit eingesetzt wird. Das Tagebuch dokumentiert den Wissensstand eines Schülers und seinen bisherigen schulischen Weg. Die dortigen Einträge werden von den Lehrkräften in den jeweils besuchten Schulen abgezeichnet.
  • NRW hat als erstes Bundesland Bereichslehrkräfte für reisende Kinder und Jugendliche eingeführt. Die Pädagogen sichten die Schultagebücher der Kinder, besprechen Schulstoff mit ihnen und treffen Absprachen mit den Eltern. Auch haben sie engen Kontakt zu Lehrkräften in den Stützpunkt- und Stammschulen der Kinder.

Weitere erfolgreiche (Pilot-)Projekte auf verschiedenen Ebenen: 

  • Das Programm EFECOT (European Federation for the Education of the Children of Occupational Travellers) wurde 1988 ins Leben gerufen und bis 2003 von der EU unterstützt. Daraus resultierte das European Network for Traveller Education  (ENTE).  
  • BeKoSch (Berufliche Kompetenzen für Schausteller) ist ein Berufschullehrgang für junge Schausteller oder Zirkusangehörige. Unterrichtseinheiten werden seit  2001 u. a. am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Herne angeboten – zudem in Nidda (in Hessen) und Neumünster (Schleswig-Holstein). In Herne kann zudem auch der Hauptschulabschluss nachgeholt werden. Am Westfalenkolleg in Dortmund absolvieren viele das Abitur.
  • eLVET (e-Learning for the Vocational Education of Travellers) heißt ein Projekt, in dem von 2006 bis 2008 Partner aus fünf EU-Ländern ein Lernkonzept entwickelten. Es hilft Jugendlichen mit unterbrochenen Lernwegen, durch den Einsatz von E-Learning systematisch eine berufliche Qualifikation zu erwerben.
  • Experten aus dem Regierungsbezirk Arnsberg und der Provinz Gelderland (Niederlande) führten 2009-2011 das EU-Projekt EVIS (Evaluation und Innovation von Schulbegleitsystemen) durch. 

Mehr Informationen unter www.schule-unterwegs.de.

Kontakt: Martin Treichel, Bezirksregierung Arnsberg (02931/82-3031).

Bildhinweis:

Hans-Peter Arens (Bundesverband Deutscher Marktkaufleute und Schausteller, 1. v. l.), Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann (2. v. l.), Helga Sinner (Bildungsverband BERiD, 3. v. l.) und Albert Ritter (Deutscher Schaustellerbund, vorne) unterzeichneten auf der Allerheiligenkirmes die „Soester Erklärung“.



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