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15.03.2012

Felsen im Hönnetal

Kein Klettern auf Kosten der Natur Gehört zum Bereich Umwelt, Gesundheit, Arbeitsschutz

Ein konstruktiver Fachdialog mit den Kletterverbänden und Lösungen im Konsens – darauf legt die Bezirksregierung weiter großen Wert. Aus aktuellem Anlass weist sie aber ausdrücklich darauf hin, dass das Klettern in FFH-Schutzgebieten verboten ist – damit beispielsweise auch im Hönnetal.

Felsen

Der Hintergrund: Das Hönnetal wurde bereits 2001 der Europäischen Gemeinschaft als FFH-Gebiet (Fauna, Flora, Habitat) gemeldet und in die Liste zu schützender Gebiete von gemeinschaftlichem Interesse (Netzwerk „Natura 2000“) aufgenommen. Das bedeutete gleichzeitig: Mit der Aufnahme in die Gemeinschaftsliste sind Handlungen verboten, die den Schutzzweck erheblich beeinträchtigen könnten. So steht es im Bundesnaturschutzgesetz (§§ 33, 34 BNatschG). Und daraus resultiert – auch im Hönnetal – ein gesetzliches Kletterverbot.

Im vorliegenden Fall wäre es der gesetzliche Auftrag zunächst des Märkischen Kreises gewesen, nach Aufnahme des Hönnetals in die Liste der FFH-Gebiete vor Ort eine Schutzgebietsausweisung vorzunehmen (§ 32 Abs. 2 BNatSchG) – auch um Missverständnisse möglichst zu vermeiden. Gleichzeitig ist klar: Wenn ein Kreis diesem gesetzlichen Auftrag nicht zügig nachkommt, ist es Aufgabe der Bezirksregierung als zuständiger Aufsichtsbehörde, die Einhaltung von Naturschutzbestimmungen (samt Kletterverbot) einzufordern. 

Die Rechtslage ist den beteiligten Akteuren bekannt. Sie wurde u.a. auch im Jahre 2010 im Zuge des Fachdialogs der Bezirksregierung mit den Kletter- und Naturschutzverbänden noch einmal eingehend erörtert. Zudem ist der rechtliche Rahmen seit 2011 auch in einem Prüfschema dargestellt, das mit dem Umweltministerium des Landes NRW abgestimmt worden war. Darüber hinaus ist die Rechtssprechung in puncto Klettern in FFH-Gebieten eindeutig.

Bekannt ist auch, dass Ausnahmen von einem Kletterverbot in Schutzgebieten nur über eine FFH-Verträglichkeitsprüfung möglich sind. Heißt: Die Verbände müssten nachweisen, dass das Klettern in Bereichen des Hönnetals keine schädlichen Auswirkungen auf das geschützte Gebiet und seine Lebensformen hat. Die Kletterverbände haben eine solche FFH-Verträglichkeitsprüfung bisher nicht vorgelegt.

Bei Ortstermin Beeinträchtigung der Natur festgestellt

Dass das (illegale) Klettern im Hönnetal mit Naturschutzzielen kollidiert, hat das Naturschutz-Dezernat der Bezirksregierung zuletzt bei einer Ortsbesichtigung im Oktober 2011 festgestellt. Zu besichtigen waren: offene Feuerstellen, ausgetretene Trampelpfade, Kletterhaken und Nachrichtenboxen in zum Teil blankgegriffenen Felsen, darüber hinaus in Felsen geritzte Schmierereien (in Höhen, die nur von Kletterern erreicht werden). Und nicht zuletzt wurde festgestellt, dass aufgrund von Störungen streng geschützte Vogelarten ihre Nester verlassen und ihre Brut aufgegeben hatten.

Frauke Schilling, zuständige Dezernentin bei der Bezirksregierung: „Die Natur mit all ihrer Schönheit und Vielfalt ist für alle Menschen da. Unser öffentlicher Auftrag ist, Natur zu schützen und für kommende Generationen zu bewahren. Wir appellieren daher an alle Beteiligten, uns dabei zu unterstützen und den konstruktiven Dialog fortzusetzen.“


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