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11.12.2017

Sensationsfund im Kloster Wedinghausen

Älteste Warmluftheizung Westfalens bei Ausgrabungen entdeckt Gehört zum Bereich Kultur, Sport

Damals echter Luxus und eine technische Innovation: Die älteste Warmluftheizung Westfalens wurde nun im Kloster Wedinghausen in Arnsberg entdeckt. Die im 12. Jahrhundert errichtete Heizung ist über 100 Jahre älter als vergleichbare Bauwerke. Damit zeigt sich erneut die Bedeutung des Klosters, das nun innerhalb kurzer Zeit gleich mit zwei archäologisch bedeutsamen Funden überraschen konnte.

Erst kürzlich fanden die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe im alten Gemäuer die Gruft des Klostergründers Graf Heinrich I. Für die Stadtgeschichte Arnsberg ein bedeutsamer Fund, der nun jedoch durch eine Entdeckung in den Schatten gestellt wurde. Unter dem Fußboden eines Nachbarraumes zum Kapitelsaal fanden die Archäologen ein im 12. Jahrhundert errichtetes Mauerwerk mit Ruß- und Brandspuren. Bei den folgenden Ausgrabungen wurde ein fast viereinhalb Quadratmeter großer Raum freigelegt, der sich als Brennraum für eine Steinspeicherheizung erwies.

Deren Konzept ist so simpel, wie genial: In einem Brennraum wird ein Feuer entzündet, das die Decke des Raumes erwärmt. Diese Decke ist wiederum der Boden eines weiteren Gewölbes und besteht aus einem Ziegelgewölbe, auf dem eine Schicht Flussgeröll und –steine liegt. Durch das Feuer werden die kleinen Steine heiß und geben ihre Wärme über einen langen Zeitraum an die Umgebungsluft ab – auch dann noch, wenn kalte Luft nachströmt. Durch diese raffinierte Heizung konnten die Menschen für eine Frischluftzufuhr und zeitgleich für angenehme Temperaturen sorgen.

Ob diese Heizungsart in Arnsberg erfunden wurde, können die Wissenschaftler nicht klären. Fest steht jedoch, dass die Heizung wohl schon um 1170/73 gebaut wurde. Die bisher ältesten Beispiele kennt die Forschung bisher eigentlich erst aus dem späten 13. Jahrhundert. Die aufwendige Konstruktion findet sich nur selten in mittelalterlichen Pfalzen und Klöstern und ist somit auch ein wichtiges Indiz für die überregionale Bedeutung des Klosters. 

 

Bildhinweis:
Flucht des Schürkanals, wo das Feuer für die Steinspeicherheizung entzündet wird. (LWL/ R. Klostermann)


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