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Ölschaden in Gronau-Epe Gehört zum Bereich

Fragen und Antworten zum Ölschaden in Gronau-Epe

Bei verschiedenen Anlässen, u. a. in einer gemeinsamen Sitzung des Kreisumweltausschusses und des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung des Kreises Borken (am 29.04.2014), wurden diverse Fragestellungen zum Ölschaden in Gronau-Epe an die Bezirksregierung Arnsberg herangetragen. Hier eine kleine Dokumentation der wichtigsten Fragen und Antworten.

Gruppenfoto

Bildhinweis: Am 02.05.2014 machte sich Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk NRW (5. von links), ein Bild von dem Ölschaden in Gronau-Epe – hier u. a. mit Vertretern von Bezirksregierung Arnsberg, Kreis Borken und Stadt Gronau bei der Besichtigung von Bohrkernen auf dem Betriebsgelände der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen mbH & Co KG (SGW).

  
In wie viel Kavernen wird im Bereich Gronau-Epe wie viel Öl gelagert?

Zurzeit werden in der Speicheranlage Gronau-Epe in drei Kavernen insgesamt 1,4 Mio. m3 Rohöl in einer Tiefe von 1100 m bis 1500 m eingelagert. Sie sind Teil der sogenannten nationalen Energiereserve der Bundesrepublik Deutschland.

Fünf Ölkavernen sind vorhanden, drei davon werden genutzt – jeweils gefüllt mit rund 450.000 Kubikmetern Rohöl. Zudem werden in Epe 74 Kavernen zur Gasspeicherung genutzt.

Wann wurde der Betrieb genehmigt?

1974 wurde im Zuge der damaligen Ölkrise die Einlagerung von Rohöl in Gronau-Epe genehmigt (Nationale Ölreserve – Erdölbevorratungsverband EBV). Die damalige Bergbehörde NRW erteilte die Genehmigungen. Veränderungen hinsichtlich des Betreibers, der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen mbH & Co KG in Ahaus (SGW), gab es seitdem nicht.

Findet eine öffentliche Beteiligung im Genehmigungsverfahren statt?

Träger öffentlicher Belange werden auch im bergrechtlichen Betriebsplanverfahren beteiligt. So garantiert gerade die Vorschrift des § 54 Abs. 2 Bundesberggesetz vom 13.08.1980 die Beteiligung von anderen Behörden und  von Gemeinden als Planungsträger vor der bergrechtlichen Zulassung. In Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung wird die Öffentlichkeit beteiligt.

Wann wurden die Kavernen erstmalig mit Öl gefüllt?

Die Füllung der Kavernen mit Öl erfolgte erstmalig 1974, wobei die Kaverne S5 erst seit 1980 als Ölkaverne betrieben wird.

Wie schnell können die Kavernen ggf. entleert werden, um ggf. unkontrollierte Ölaustritte zu vermeiden? Und wurde diese Maßnahme bereits angedacht bzw. wurde bereits mit der Entleerung begonnen?

Grundsätzlich kann das Öl aus den Kavernen ausgespeichert werden. Die Dauer einer Entleerung ist abhängig von den jeweiligen Betriebsbedingungen. Die Kaverne S5 ist derzeit am Kavernenkopf drucklos. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass aus dem System kein Rohöl mehr austreten kann. Solange die mögliche Leckage-Stelle noch nicht lokalisiert ist, wäre eine Ausspeicherung des Öls zur Zeit nicht sinnvoll, da für die Ausspeicherung Druck aufgegeben werden müsste, was dann bei vorhandener Leckage ggf. zu einem weiteren Ölaustritt führen könnte.

Können die Kavernen einstürzen?

Nein, die Kavernen können nicht einstürzen, weil der Innendruck der mit Flüssigkeit (Rohöl und Sole) gefüllten Kavernen gegen den Gebirgsdruck wirkt. Diese Kavernen – entstanden durch Ausspülung des dort früher vorhandenen Salzes – gibt es in Deutschland über hundert, weltweit tausende. Sie werden z. T. seit Jahrzehnten zur behälterlosen Speicherung genutzt. Sie sind – anders als Salzbergwerke – nicht von Stollen durchzogen, sondern stehen als zylinderähnliche Hohlkörper massiv im Salz. Beim Ausspeichern von Rohöl wird über die innen liegende Rohrleitung in das Kavernentiefste Sole gepumpt mit der Wirkung, dass gleichzeitig Rohöl im Ringraum der Bohrlochverrohrung aufsteigt. Die Kavernen werden während aller Betriebszustände auf ausreichenden Druck im Innenraum in der Leitzentrale überwacht.

Gibt es Bodenbewegungen im Bereich des Kavernenfeldes?

Ja, es gibt Absenkungen an der Tagesoberfläche.

Gemäß § 44 der Tiefbohrverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen (BVOT) ist der Betreiber der Kavernenanlage verpflichtet, über Kavernenfelder und Einzelkavernen zur Feststellung von Einwirkungen auf die Tagesoberfläche Festpunktnetze anzulegen und diese in festzulegenden Zeitabständen zu vermessen. Die Ergebnisse dieser Messungen sind auszuwerten und in einem Höhenfestpunktriss zu dokumentieren.

Vor dem Hintergrund dieser Rechtsvorschrift wurde zu Beginn der Salzgewinnung im Jahre 1972 im Umfeld des Kavernenfeldes Epe ein Festpunktfeld eingerichtet und seither kontinuierlich fortgeschrieben. Das ca. 850 Festpunkte umfassende Messnetz umfasst eine Gesamtlänge von ca. 140 Kilometern und überspannt deutlich die bisher eingetretene und die in Zukunft sich noch weiter ausbildende Senkungsmulde. Dieses Netz wird jährlich wiederkehrend vermessen. Die Messungsergebnisse werden in einem Höhenfestpunktriss mit Höhenverzeichnis dokumentiert. Der Höhenfestpunktriss ist Bestandteil des vom Kavernenbetreiber gemäß § 63 BBergG anzufertigenden und nachzutragenden Risswerks.

Das Risswerk des Steinsalzbergwerks Epe/Untergrundspeicherung umfasst auch einen Riss mit Darstellung der im Zeitraum 1972-2012 messtechnisch beobachteten Senkungen. Die maximale Gesamtsenkung bis zum Jahre 2012 beträgt danach ca. 63 cm.

Was genau ist am 12. April 2014 und in der Folge passiert?

Am 12.04.2014 wurde ein Ölaustritt auf einer Weide im Amtsvenn festgestellt. Der Pächter der Weide hatte den Ölaustritt entdeckt. Weitere Ölaustritte wurden am 15.04. in einem Waldstück und Vogelschutzgebiet (Fundstelle 2) sowie auf dem angrenzenden Hof der Familie Sundermann (Fundstelle 3) bemerkt. Die Ölaustrittsstellen befinden sich im Umfeld der Ecke Dachsweg/Wacholderheide in Gronau-Epe.

Nachdem der Pächter der Weide die Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW) informiert hatte, wurden Umweltalarm ausgelöst und die notwendigen Sicherungsmaßnahmen eingeleitet. Parallel zur Schadenseindämmung begannen unverzüglich die Arbeiten zur Klärung der Schadensursache.

Kontinuierlich aktualisierte Daten und Fakten zum Ölaustritt sind auf der Seite der Bezirksregierung abrufbar. Hier können auch Lagepläne der Sanierungsfläche – als Download – eingesehen werden. Weitere Daten sind auf einem Faktenblatt der SGW online.

War der Austritt von Rohöl bereits im Februar bekannt?

Nein, der Austritt von Rohöl wurde erst am 12.04.2014 festgestellt. Am 23. und 24.02.2014 kam es in der Rohölkaverne S5 zu einem Druckabfall um rund 3,6 bar. Daraufhin wurde die Kaverne außer Betrieb genommen und intensiv messtechnisch untersucht. Dabei wurden keine Undichtigkeiten in der Kaverne oder der Verrohrung zur Oberfläche festgestellt.

Welche Untersuchungen wurden bisher an der Ölspeicherkaverne S 5 durchgeführt?

Nach einem gemessenen Druckabfall an der Rohölspeicherkaverne Epe S5 wurden von der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen mbH umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um eine Erklärung für diesen Druckabfall zu bekommen.

  • Die oberirdischen Anlagenteile wie Leitungen, Schieber und Messinstrumente wurden mehrfach überprüft und getestet.
  • Mit einem umfangreichen Beobachtungs- und Überwachungsprogramm wurden das umliegende Gelände sowie das Grundwasser und die Oberflächengewässer auf mögliche Ölaustritte untersucht.
  • Der Kavernenkopf wurde demontiert und der 7 5/8 Zoll-Soleförderstrang ausgebaut. Alle Anlagenteile, Armaturen, Rohre und Verschraubungen wurden überprüft.
  • Mit aufwendigen Messverfahren wurde die Zementation und der Zustand der bis in ca. 1100 m Tiefe zur Kaverne führenden Ölleitung (11 ¾-Zoll-Casing) überprüft. Auch wurde gemessen, ob sich hinter der Rohrleitung Flüssigkeiten oder Hohlräume befinden.
  • Nach der Überprüfung der Kavernenzuleitung wurde eine Vollvermessung des Kavernenhohlraums einschließlich des unverrohrten Kavernenhalses vorgenommen.
  • Die gesamte Verrohrung wurde von einer speziellen Kamera befahren.
  • Es wurde eine Dichtheitsdruckprüfung zur Ortung eienr möglichen Leckage durchgeführt.
Warum wurde von der Bezirksregierung Arnsberg nur einer eingeschränkten Wiederinbetriebnahme der Ölspeicherkaverne S 5 zugestimmt?

Obwohl alle vorliegenden Untersuchungsergebnisse keine Anzeichen für einen Defekt des Kavernensystems aufwiesen, stimmte die Bezirksregierung Arnsberg vorsorglich nur einer eingeschränkten Wiederinbetriebnahme der Kaverne Epe S 5 dergestalt zu, dass die Anhebung des Druckes nur bis zu einem Öldruck erfolgen durfte, der kleiner war als der Gebirgsdruck unterhalb des doppelwandigen Ankerrohrbereiches.

Der eingeschränkte Betrieb sollte solange erfolgen, bis

  • eine nochmalige Überprüfung des gesamten Messsystems (Geräte, Bussystem, Prozessleitsystem) unter Einbeziehung von Sachverständigen erfolgt ist und
  • auf Grundlage der bisherigen Erforschungsergebnisse eine Gesamtbewertung durch einen Gutachter (Uni, Fachbüro) vorgenommen wurde; in die Bewertung sind alle möglichen Ursachen für Druckabfälle/Druckschwankungen – wie z. B. thermodynamische, seismische, geologische (z. B. CO2-Ausbruch), gebirgsmechanische Effekte (z. B. Nachfall) sowie Entgasungseffekte – einzubeziehen.
Gab es vor Beginn der Nutzung Ölaustritte infolge von Probebohrungen?

In den Jahren 1964 und 1966 wurden auch im Umfeld der Kaverne S5 Erkundungsbohrungen durchgeführt, die nicht im unmittelbaren Bereich der jetzigen Ölfundstellen liegen. Die alten verfüllten Erkundungsbohrungen stehen in keinem Zusammenhang mit den Ölaustritten.

Besteht Gefahr für Mensch und Tier? Was sind die Auswirkungen des Ölaustritts für Natur und Landschaft?

Es besteht nach den getroffenen Gefahrenabwehrmaßnahmen grundsätzlich keine Gefahr mehr für den Menschen. Unmittelbar vom Ölaustritt betroffen ist allerdings unverändert die Familie Sundermann, auf deren Hof eine Ölaustrittsstelle liegt. Vorsorglich wohnt die Familie Sundermann zeitweilig in einem Hotel.

Unmittelbar betroffen ist auch der Pächter der Weide, der am 12.04.2014 auf den Ölaustritt gestoßen war. Bis zum 14.04. mussten zehn seiner Weiderinder, die vom Wasser-Öl-Gemisch getrunken hatten, auf Empfehlung des amtlichen Veterinärs bedauerlicherweise gekeult werden.

Die zweite Fundstelle liegt in einem Birkenwäldchen und Vogelschutzgebiet. Um die Fundstelle mit Baggern und Saugwagen zu erreichen, müssen Teile des Birkenwäldchens abgeholzt werden. Aus einem in direkter Nachbarschaft zur Fundstelle liegenden Teich wurden rechtzeitig Molche gefischt und in einem unbelasteten Teich ausgesetzt. Die Bilanz der Umsetzung wies – bis zum 28.04. – 32 Teichmolche, 24 Bergmolche und 47 Kammmolche aus. Sobald die Holzfällarbeiten um die Fundstelle 2 abgeschlossen sind, soll ein Kleintierschutzzaun errichtet werden.

Über die generelle Auswirkung des Ölaustritts auf Flora und Fauna im Sanierungsgebiet lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Aussagen treffen. Sobald aber die Phase der akuten Sanierung abgeschlossen ist (z. B. durch die Aufnahme belasteter Oberböden), geht es um die Renaturierung des Gebiets.

Warum ist es notwendig die Schadensbereiche so weitläufig abzusperren?

Der gesamte Bereich in dem die im Zusammenhang mit dem Ölschaden erforderlichen Gefahrenabwehr-, Ursachenerforschungs- und Sanierungsarbeiten durchgeführt werden, ist eine Baustelle. Diese ist aufgrund der bestehenden Rechtslage für Baustellen gegen das Betreten Unbefugter zu schützen, um somit Gefahren und Schäden für Dritte zu vermeiden.

Die Beschränkung der Verkehrswege durch Absperrung erfolgt in dem betroffenen Bereich auf Anordnung des Ordnungsamtes der Stadt Gronau im Einvernehmen mit der Kreispolizeibehörde des Kreises Borken gem. § 45 der Straßenverkehrsordnung. Die Straßensperrungen dienen der verantwortlichen Verkehrssicherung und umfassen die Vollsperrung der Straßen Schlamannweg, Dachsweg, Wacholderheide, Moorkuhlenweg, Graeser Grenzweg (Anlieger frei).

Besteht Gefahr für die Trinkwasserversorgung?

Am 24.04.2014 waren an mehreren der vorsorglich angebrachten Grundwassermessstellen erstmals leichte Kohlenwasserstoff-Nachweise festgestellt worden, die zuvor bei der Beprobung sensorisch nicht wahrnehmbar gewesen waren. Eine relevante Belastung des oberflächennahen Grundwassers liegt bislang nicht vor. Eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung besteht nicht.

Welche Schutzmaßnahmen wurden und werden getroffen?

Vorsorglich wird zur Sicherung an den Fundstellen eine Dränage eingefräst. Sollte aus den Sanierungsflächen trotz ständiger Absaugung eventuell ein Öl-Wassergemisch abfließen, kann dieses sofort aus der Dränage gepumpt werden.

Auch wurde von den Behörden angeordnet, zur Sicherheit in ca. 300 m Abstand von den Fundstellen eine Dichtwand aus Folie und Ton durch den wasserführenden Sand bis in die darunter liegende Tonschicht zu bauen. Die Dichtwand hat damit eine Tiefe von meist 3 bis 3,5 m und liegt im Abstrom des oberflächennahen Grundwassers. Das sich dort stauende Grundwasser wird über ein Dränagesystem  gefasst und abgepumpt. Die regelmäßigen Beprobungen haben ergeben, dass im Dränagewasser keine rohölspezifischen Belastungen vorliegen.

Weitere vorsorgliche Schutzmaßnahmen sind Wasseruntersuchungen und die Untersuchung von Hausbrunnen. Die Wasseruntersuchungen finden in regelmäßigen Abständen durch ein Labor an Grundwassermessstellen und an Messpunkten in Gräben und Teichen statt. Zusätzlich werden sie in regelmäßigen Abständen nochmals unabhängig von den Behörden beprobt. Die Beprobung von Hausbrunnen findet durch den Kreis Borken statt. Die Ergebnisse der Beprobung werden den Eigentümern zugestellt. Kein Hausbrunnen war belastet.

Ein Gutachter gewährleistet die Kontrolle des Grundwassers und begleitet die Präventivmaßnahmen. Alle Wasserwerke sind in ein Frühwarnsystem eingebunden. Durch die Kontrollmessungen ist die Sicherheit der Trinkwasserversorgung jederzeit gewährleistet.

Weitere Schutzmaßnahmen sind beispielsweise die Errichtung von Grabensperren. Auch die systematische Flächenbegehung wird unverändert fortgesetzt.

Wie ist die Dichtwand konzipiert, die zur Verhinderung des Abflusses von verunreinigtem Wasser installiert wird?

Zur Herstellung der Dichtwand wird ein Schlitz ausgehoben, der vertikal aus drei Elementen aufgebaut wird: aus Drainagematerial, einer Dichtfolie und einem Tongemisch. Damit funktioniert die Dichtwand mit einem dreifachen Schutz: zunächst wird in der Drainage das anströmende Grundwasser gesammelt und abgepumpt; hinter der Drainage bilden die beiden wasserundurchlässigen Barrieren Folie und Tongemisch eine Sperre für das Grundwasser. Dieser dreifache Schutz macht die Dichtwand sicher.

Die Dichtwand wird da errichtet, wo das oberflächennahe Grundwasser hinfließt – also im sogenannten Abstrom des Grundwassers im Norden der Sanierungsfläche. Durch geologische Gegebenheiten wird die Richtung des Grundwasserflusses fest vorgegeben.

Die Dichtwand reicht bis zur geologisch abdichtenden Tonschicht. Das sind in den meisten Fällen 3 bis 3,5 m Tiefe, an manchen wenigen Stellen bis zu 6 bis 8 m Tiefe.

Welche Maßnahmen werden getroffen, um die Ursache des Schadens zu ermitteln?

Die Prüfungen der ca. ein Meter tief im Boden verlegten Ölleitungen im Kavernenfeld ergaben keine Hinweise auf ein mögliches Leck. Deswegen konzentrieren sich die Ermittlungen zur Schadensursache darauf, den Weg des Öls nachzuvollziehen und so die Ursache bzw. die Quelle des Ölaustritts zu finden. Hierzu finden verschiedene Sondierungen und Bohrungen statt, die in unterschiedliche Tiefen reichen.

Die LIF-Sondierung (eine Untersuchungsmethode mit Lasertechnik) liefert Erkenntnisse über den Untergrund bis in ca. 20 bis 25 m Tiefe. Des Weiteren fanden Rammkernsondierungen statt. Eine Kernbohrung an der Fundstelle 3 wurde bis in eine Tiefe von 100 m durchgeführt. Eine Tiefen-Aufschlussbohrung 80 m neben der Kaverne S5 ist durch die Ton- und Mergelschichten bis in ca. 250 m Tiefe erfolgt.

Parallel dazu erfolgte die Dichtheitsdruckprüfung an der Kaverne S 5 in 6 Schritten

  1. Ausbau der 7 5/8 Zoll-Rohre
    Für die Durchführung der Testarbeiten muss die volle Befahrbarkeit der Bohrung gewährleistet sein. Hierfür werden die 7 5/8 Zoll-Rohre, die sich innerhalb der 11 3/4 Zoll-Rohrtour befindet, ausgebaut.
      
  2. Sechs-Arm-Kalibermessung
    Zur Kontrolle der Bohrlochgeometrie sowie des Kavernenhalsbereiches wird ein mechanisches Gerät in die Bohrung eingelassen. Das Gerät hat 6 mechanische Federarme, die sich an die Geometrie des Bohrloches beim Ein- und Ausfahren des Gerätes anpassen. Dadurch kann die Geometrie der Bohrung erfasst werden.
      
  3. Absperren der 11 3/4 Zoll-Rohrtour
    Um den Dichtheitsnachweis der 11 3/4 Zoll-Rohrtour gesondert auszuführen, wird diese Rohrtour von der Kaverne hydraulisch getrennt. Somit kann der Drucktest (Druckerhöhung) nur auf die 11 3/4 Zoll-Rohrtour beschränkt werden.
     
  4. Einzirkulieren von Frischwasser
    Für die weiteren Testarbeiten wird das Öl innerhalb der Bohrung durch Frischwasser ausgetauscht, sodass bei Feststellung von möglichen Undichtheiten nur Wasser als Testmedium in das umliegende Gebirge entweicht.
       
  5. Videoinspektion
    Die 11 3/4“ Rohrtour wird vor Durchführung von weiteren Testarbeiten durch eine Videoinspektion überprüft. Durch die Inspektion können die Testarbeiten eventuell im Vorfeld eingegrenzt und präzisiert werden.
      
  6. Einbau eines Testpackers mittels eines 5 Zoll Gestänges
    Durch einen sog.Testpacker (Rohrverschluss) wird die 11 3/4 Zoll-Rohrtour in zwei Bereiche (unteren / oberen Bereich) getrennt. Die Bereiche sind drucktechnisch nicht verbunden. Durch eine Druckbeaufschlagung des oberen Bereichs (Ringraum zwischen 11 3/4 Zoll-Rohrtour und 5 Zoll-Gestänge) kann die technische Dichtheit der 11 3/4 Zoll-Rohrtour oberhalb des Testpackers überprüft werden.
    Zu Beginn der Testarbeiten wird der Testpacker direkt oberhalb der Vollabsperrung eingebaut und die gesamte 11 3/4 Zoll-Rohrtour auf Dichtheit überprüft. Wird eine Undichtheit festgestellt, erfolgt ein abgestufter Test zur Lokalisierung der Undichtheit.
Was ist die Ursache für den Ölschaden

Die Ursache für den Ölschaden ist ein Leck in der Rohrleitung zur Kaverne. Die Position des Lecks liegt in einer Tiefe von 217 m. Das ergab sowohl eine Kamerabefahrung der Rohrleitung als auch eine Reihe von Drucktests. Die Drucktests bestätigen auch, dass ausschließlich bei 217 Metern eine Leckage an der Rohrleitung vorhanden ist.

Wie lange wird die Schadensbekämpfung dauern?

Derzeit steht im Fokus, die Sanierung der Fläche durch Aufnahme von belastetem Boden und Baumwurzeln und durch das Abpumpen des Öl-Wasser-Sandgemischs voranzutreiben. Wenn diese Phase abgeschlossen ist, steht die Renaturierung des Gebiets im Mittelpunkt. Pläne zur Renaturierung werden die Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW, die Bezirksregierung Münster, der Kreis Borken, die zuständige biologische Station und weitere Vertreter öffentlicher Interessen gemeinsam abstimmen und umsetzen.

Von welcher Schadenssumme ist insgesamt auszugehen?

Die Höhe der entstanden Schäden lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt – während die Untersuchungen und Gefahrenabwehrmaßnahmen noch laufen – nicht seriös beziffern. Die SGW als Betreibergesellschaft verfügt über eine Umweltschadenshaftpflicht.

Wer hat den externen Alarm- und Gefahrenabwehrplan/externen Notfallplan (Sonderschutzplan) erstellt?

Die entsprechenden Pläne hat der zuständige Kreis Borken erstellt.

Welche Behörden sind aktuell tätig?

Die Abteilung Bergbau und Energie in NRW der Bezirksregierung Arnsberg (also die Bergbehörde) ist die zuständige staatliche Aufsichtsbehörde. Die Bergbehörde gründete eine Koordinierungsgruppe, um die Ursachen des Ölaustritts zu klären und fortlaufend Maßnahmen zur Gefahrenabwehr abzustimmen und anzuordnen. Der Koordinierungsgruppe gehören Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg, der Bezirksregierung Münster, des Kreises Borken und der Stadt Gronau an. Als unabhängiger Sachverständiger wurde in Abstimmung zwischen dem Kreis Borken und der Bergbehörde Dr. Hans-Peter Jackelen von der SGW bestellt. Als Betreiber der Ölkavernen in Gronau-Epe gehört auch die SGW der Koordinierungsgruppe an.

Gibt es eine Telefon-Hotline?

Für Medienanfragen stehen die Pressestelle der Bezirksregierung Arnsberg (Telefon: 02931 82-2120/-2170) sowie Andreas Nörthen, Sprecher der Abteilung Bergbau und Energie in NRW (-3934), zur Verfügung. Bürgerinnen und Bürger haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich über die zentrale Rufnummer (02565 60-0) an die SGW zu wenden.

Wie werden die Anwohner informiert?

Die Information der Anwohner über wesentliche Neuigkeiten findet schriftlich statt. Darüber hinaus beantwortet die SGW Anfragen, die das Unternehmen persönlich, telefonisch oder per Mail erreichen, individuell. Bei einer Informationsveranstaltung am 24.04.2014 hat die SGW außerdem Anwohner nach ihren E-Mailadressen gefragt, damit die schriftlichen Informationen sie unverzüglich erreichen. Kontaktmöglichkeiten – falls nicht ohnehin bekannt – finden die Anwohner auch auf der SGW-Webseite unter www.salzgewinnungsgesellschaft.de.

Wo können Bürger sich melden, um ihren Hausbrunnen beproben zu lassen?

Die Wasserwerke und die SGW bieten gemeinsam und kostenlos die Beprobung von möglicherweise betroffenen Hausbrunnen an. Wer seinen Brunnen beproben lassen möchte, kann einfach die Hotline der SGW anrufen (Tel.-Nr. 02565 60-0), eine E-Mail schreiben (sgw.sekretariat@solvay.com) oder ein Fax an die SGW senden (Fax-Nr. 02565 60-250). Die Hotline der SGW ist zu den regulären Bürozeiten besetzt.

Ergänzende Fragen und Antworten zu den Gaskavernen in Gronau Epe

Was ist an den Gaskavernen S 58 und S 70 passiert und welche Maßnahmen wurden getroffen?

Die Verrohrung einer Gaskaverne besteht aus einem inneren und einem äußeren Rohr. Der gasdicht und druckfest abgeriegelte Raum zwischen den Rohren (Ringraum) ist mit einer Schutzflüssigkeit gefüllt und wird überwacht. Bei der Kaverne S 58 hat sich in 40 Metern Tiefe eine Schweißverbindung des inneren Rohrs (der Gasförderleitung) gelöst. Da der Ringraum um die Gasförderleitung herum zur Umgebung druckfest und gasdicht abgeriegelt ist, kann durch dieses doppelwandige Schutzsystem kein Gas in die Umgebung entweichen. Bei der baugleichen Kaverne S 70 kam es zu einem vergleichbaren Schadensverlauf. Das Konzept zur Behebung des Schadens an der Gasförderleitung wird nun erarbeitet und mit der Bezirksregierung Arnsberg abgestimmt. Zur Vorbereitung der Maßnahmen, die einige Wochen dauern werden, wird der Druck in der Gaskaverne langsam abgesenkt.

Warum kam es zur Sicherheitsabschaltung an der Kaverne S 78?

In der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 2014 kam es um 22.58 Uhr durch einen Fehler an einer elektronischen Steuerung zu einer planmäßigen Auslösung einer Sicherheitsabschaltung. Dabei werden pneumatisch betriebene Sicherheitsabsperrventile per Federkraft geschlossen. Das Schließen der Ventile erfolgt unter schlagartiger Entlastung der Druckluftspeicher und ist akustisch deutlich im weiteren Umfeld zu hören. Der Vorgang dauert ca. 30 Sekunden an. Bei dem Vorgang wird nur Druckluft freigesetzt. Die Ursache für den Datenübertragungsfehler konnte bereits ermittelt werden und durch Austausch einer elektronischen Stromversorgungseinheit behoben werden.




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